Der Karpfen

Der Karpfen

Schon die Mönche im Mittelalter züchteten den Karpfen, Cyprinus carpio, in Ihren Teichen als Fastenspeise. Die Urform ist (im Gegensatz zur domestizierten Zuchtform) ganz geschuppt, langgestreckt und seitlich nur leicht abgeflacht. Sowohl der Wildkarpfen wie auch die Zuchtformen können ihr mit zwei langen und zwei kurzen Bartfäden bestücktes Maul rüsselartig vorstülpen. Durch Einkreuzung mit verwilderten Zuchtkarpfen ist der reinrassige Wildkarpfen heute selten geworden; er steht mittlerweile auf der Roten Liste der weltweit gefäährdeten Arten.

Der Karpfen

Da der Wildkarpfen nur sehr langsam wächst, ist er für die Teichwirtschaft nicht rentabel. Deswegen wurden durch langjährige Kreuzungsversuche schnellwüchsige Formen herausgezüchtet, die sich auch im Körperbau von der Urform unterscheiden. Fast allen gemeinsam ist ein markanter Höcker hinter dem Kopf.
Der Wildkarpfen weist einen höheren Hämoglobin-, Zucker-, und Vitamin A-Spiegel im Blut auf; auch besitzt er etwa 20 Prozent mehr rote Blutkörperchen. Sehr wahrscheinlich ist das der Grund für seine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten im Vergleich zu den anfälligeren domestizierten Karpfen.
Der Schuppenkarpfen entstand als erstes aus dem Wildkarpfen. Er ist vollkommen beschuppt. Alle anderen Zuchtformen stammen vom Schuppenkarpfen ab. Der Spiegelkarpfen wurde als erste Zuchtform vom Schuppenkarpfen abgeleitet. Neben einer Schuppenreihe entlang des Rückens trägt er nur wenige große, metallisch glänzende Schuppen, denen er seinen Namen verdankt. Seine Körperform ist sehr hochrückig. Von allen gezüchteten Zuchtformen erreicht der Spiegelkarpfen das höchste Endgewicht, weswegen er auch am häufigsten als Speisekarpfen gezüchtet wird.

Der Karpfen bevorzugt stehende oder langsam fließende, sommerwarme Gewässer. Hier hält er sich bevorzugt zwischen Wasserpflanzen auf; an sonnigen Tagen sonnt er sich häufig dicht unter der Wasseroberfläche. Er ist an die oft extremen Gegebenheiten seiner Wohngewässer angepasst und erträgt niedrige Sauerstoffwerte genauso wie leicht saures oder basisches Wasser. Als Allesfresser ernährt er sich von pflanzlichem und tierischem Plankton, von Algen und Wasserpflanzen, aber auch von kleinen Fischen, Krebsen und Insektenlarven. Den Winter überdauert er an den tieferen Stellen des Gewässers.
Erreicht die Wassertemperatur im Mai oder Juni 18 Grad Celsius, beginnt die Laichzeit. Zur Paarung ziehen sich Milchner und Rogener in den pflanzenbewachsenen Uferbereich zurück. Nach einem kurzen Liebesspiel gibt das Weibchen unter krampfartigen Bewegungen die Eier ab und das Männchen ergießt seinen Samen darüber. Danach werden die Eier sich selbst überlassen; eine Brutpflege gibt es beim Karpfen nicht.
Nach drei bis acht Tagen schlüpfen die fünf bis sieben Millimeter großen Larven, die sich während der ersten Woche von ihren Dottervorräten ernähren. Danach nehmen sie hauptsächlich tierisches Plankton zu sich, später kleinere Krebse und Insektenlarven.
Bei guten Bedingungen wachsen die Jungfische schnell und können nach drei bis vier Jahren selbst Karpfennachwuchs in die Welt setzen.

Da der Karpfen so anspruchslos ist wird er gerne in der Teichwirtschaft verwendet. Sie werden mit Fischmehl, Fischöl und/oder Sojamehl gemästet und zu mehreren Tausend Tieren pro Hektar Teichfläche gehalten. Dies ist nicht gerade umweltfreundlich und erzeugt auch bei den Tieren grossen Stress.
Als Karpfenzeit gelten die Monate mit r, also von September bis April. Egal ob gedünstet, gebraten oder gegrillt, vor allem an Weihnachten oder Silvester ist Karpfen für viele ein unverzichtbares Festtagsmahl. Schmackhafte Karpfenrezepte.

Koi, Karpfenzucht aus ästhetischen Gründen.

Die bekannten Koi Karpfen sind Farbmutationen des Wildkarpfens. Durch späteres Einkreuzen der Zuchtformen wurden deren Beschuppungsmuster auf die Kois übertragen. Koi heißt auf Japanisch Karpfen. Speisekarpfen werden als Magoi, Farbkarpfen als Nishikigoi bezeichnet. In Japan wird ein großer Kult um die Kois gemacht; Zuchttiere wechseln dort für vier oder fünfstellige Eurobeträge den Besitzer.